Ende der 70er
Jahre begann der Künstler Hiroshi Sugimoto, Kinosäle und
Freilichtkinos während der Filmaufführung zu fotografieren.
Dabei wurde die Belichtungszeit des Bildes mit der Projektionszeit
des jeweiligen Films synchronisiert. Somit vereinen sich alle Bilder
eines Films zu einem einheitlichen weißen Licht. Diese Fotoserie
inspirierte mich zu prüfen, ob die Summe aller Bilder eines
Films wirklich weiß ergeben oder ob die Ästhetik der
"Theatres"-Serie
der Aufnahmetechnik geschuldet ist. Ein 90-Minuten- Film besteht
aus 129600 Einzelbildern. Ein Bild nimmt somit etwa 0,008 Promille
der Gesamtinformation ein. In einem aufwendigen mehrtägigen
Verfahren errechnete ich die visuellen arithmetischen Mittel von
sechs Filmen. Die entstandenen Bilder sind keineswegs weiß,
sondern eher grau. Nach einer Erweiterung der Mitten auf den gesamten
Farbraum entstehen sehr farbige Bilder, die sowohl den Grundton
als auch Strukturen erkennen lassen. Bemerkenswert ist etwa die
Konzentration des Hauptcharakters im Bildzentrum von Antonionis
"Blow Up", der im gesamten Film überwiegend in einem
blauen Hemd zu sehen ist. Der Film "Vinyl" von Andy Warhol
ist nahezu ein Oneshot mit statischer Kamera. Die Struktur der Räume
prägt sich in der Zeit heraus und läßt die Akteure
verschwinden.
Parallel zu meinen Untersuchungen stieß ich in dem Artikel
"Raum
Zeit Technikkonstruktionen - Aspekte der Wahrnehmung" von
Heike Helfertauf auf die Bilderserie "Illuminated Average"
von Jim Campbell.
In der nur kurz zuvor veröffentlichten Arbeit werden auch die
arithmetischen Mittel von Film gebildet. Zu meiner Überraschung
auch von "Psycho" und "The Wizard of Oz". Erstaunlich
finde ich, dass die Bilder ohne den Hinweis auf die nachträgliche
Signalverstärkung des Mittenspektrums veröffentlicht wurden.
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